Unterhaltsbeiträge im Falle einer Scheidung

Die einmal eingegangene Verbindung zwischen den Ehegatten entfaltet zum Teil über eine Scheidung hinaus Wirkungen. Zwar hört mit einer Scheidung die Pflicht zu Treue und Beistand (Art. 159 Abs. 3 ZGB) auf. Der Gedanke der nachehelichen Solidarität verlangt es aber, insbesondere demjenigen Partner einen Ausgleich zu verschaffen, der als Folge der Ehe Nachteile in Kauf genommen hat.

 

Beispiele:

Aufgabe der Erwerbstätigkeit und/oder Verzicht auf Karrierechancen als Folge der Kinderbetreuung

Künftige Kinderbetreuung verhindert Aufnahme einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit

Weiterbildungsbedarf und schwierige Stellensuche infolge Aufgabe der Erwerbstätigkeit zugunsten der Haushaltführung

Lebensprägende Ehe (Kriterien: Dauer; länger dauernde Kinderbetreuung usw.) besteht u.U. Anspruch auf Beibehaltung des bisherigen Lebensstandards, allerdings unter Berücksichtigung der scheidungsbedingten Mehrkosten

 

Die Kriterien für den Entscheid über nacheheliche Unterhaltsbeiträge sind (nicht abschliessend) in Art. 125 Abs. 1 und 2 ZGB aufgezählt. Keine Rolle spielt, wer am Scheitern der Beziehung “schuld” ist (zu den Ausnahmen s. Art. 125 Abs. 3 ZGB). In aller Regel werden heute Unterhaltsbeiträge nur noch für eine befristete Dauer zugesprochen. Die nachträgliche Anpassung einer Scheidungsrente ist nur bei einer erheblichen und dauernden Veränderung der Verhältnisse möglich (Art. 129 Abs. 1 ZGB). Eine Erhöhung kommt zudem nur unter den eingeschränkten Voraussetzungen von Art. 129 Abs. 3 ZGB in Frage (s.a. Art. 284 Abs. 1 ZPO).

 

Andere Grundsätze gelten beim Kinderunterhalt: Der Unterhaltsbeitrag muss auch nach einer Scheidung stets den Bedürfnissen des Kindes sowie der Lebensstellung und der Leistungsfähigkeit der Eltern angemessen sein (Art. 133 Abs. 1 und 285 ZGB). Freilich wirkt sich eine Scheidung oft ganz erheblich auf die Leistungsfähigkeit der Eltern aus, da die Finanzierung zweier Haushalte zusätzliche Kosten verursacht. Ausserdem kann der Unterhaltsbeitrag nur noch in Form einer Geldleistung und nicht mehr durch persönliche Betreuung erbracht werden, wenn die Kinder nicht mehr in der Obhut eines Elternteils stehen (Art. 276 Abs. 2 ZGB).

 

Die Höhe der Unterhaltsbeiträge hängt von den konkreten Verhältnissen ab. Einbezogen werden ausser dem erzielbaren Erwerbseinkommen insbesondere die künftigen Ausgaben. Hier wird im Normalfall allen Familienmitgliedern angerechnet, was sie unbedingt zum Leben brauchen (Notbedarf). Was danach vom gemeinsamen Einkommen bleibt, wird nach einem angemessenen Schlüssel verteilt. Ausserdem werden die absehbaren Veränderungen (Wiedereingliederung ins Erwerbsleben, Abschluss der Ausbildung der Kinder, Teuerungsausgleich) in die Überlegungen einbezogen. Unser Unterhaltsberechnungsprogramm (mit integrierter Berechnung der Steuern) ermöglicht Ihnen, die rechnerische Seite des Themas nachzuvollziehen. Ob und wie die Tabelle zur Anwendung gelangt, bleibt dem Scheidungsgericht überlassen. Mit unserem Indexberechnungsprogramm können Sie anhand der Indexklausel in Ihrem Scheidungsurteil die Höhe der aktuellen Unterhaltsbeiträge berechnen.