Scheidung auf Klage

Gegenüber dem bis 1999 geltenden Recht ist heute die Scheidung auf (einseitige) Klage erheblich erschwert. Dadurch sollen einvernehmliche Scheidungslösungen gefördert und die Beteiligten angehalten werden, sich mit ihrem Konflikt auseinanderzusetzen.

 

Hauptklagegrund ist die Scheidung nach zweijährigem Getrenntleben (Art. 114 ZGB). Die genannte Frist wurde per 1. Juni 2004 von vier auf zwei Jahre verkürzt. Es genügt, dass die Trennung im Zeitpunkt der Klageeinleitung tatsächlich zwei Jahre gedauert hat. Eine Berechtigung zum Getrenntleben ist so wenig erforderlich wie eine richterliche Bewilligung in einem Eheschutzverfahren. Entscheidend ist, dass mindestens ein Ehegatte die Haushaltsgemeinschaft aufgegeben hat. Neben der räumlichen Trennung ist auch ein Trennungswille nötig: Unfreiwillige Unterbrüche in der ehelichen Gemeinschaft (Montageaufenthalte, Reisen etc.) genügen nicht. Nicht erforderlich ist andererseits auch der Abbruch jeden Kontakts. Selbst bei einem sonst freundschaftlichen Verhältnis ist eine Scheidung möglich.

 

Vor Ablauf der zweijährigen Frist ist eine Scheidung auf Klage nur aus wichtigen Gründen möglich (Art. 115 ZGB). Darunter fallen etwa Gewaltfälle, schwere Persönlichkeitsverletzungen anderer Art wie das dauernde Nachstellen während einer Trennung, Heiratsschwindel oder das Vorgaukeln eines echten Ehewillens aus fremdenpolizeilichen Motiven. Entscheidend ist, ob der klagenden Partei der Fortbestand des ehelichen Bandes seelisch zugemutet werden kann (BGE 127 III 129). Nicht möglich ist eine Klage aus Gründen, welche der klagenden Partei zu einem massgeblichen Teil zuzurechnen sind.

 

Scheidungsklagen müssen im Kanton Zürich – anders als Scheidungen auf gemeinsames Begehren – beim Bezirksgericht der Wohnsitzgemeinde eines Ehegatten eingeleitet werden. Besonders bei Scheidungen aus wichtigen Gründen sollten Sie sich vor der Einleitung einer Klage bei anwaltlich beraten lassen oder wenigstens unsere Sprechstunde besuchen.